Projektbeschreibung

Schule fand im sog. Dritten Reich nicht nur überall statt, sondern auch konkret vor Ort. Auch in Merseburg. Auch am Domgymnasium.Das “Goldene Buch” der Stadt Merseburg verzeichnet für die Zeit von 1933-1945 als Ehrenbürger u.a. Hindenburg und Hitler (u.v.a. m.). Ist die Seite für den Eintrag für Hitler schon reserviert, findet sich keine Unterschrift. Dafür aber die Unterschrift von Oberst Weber, ehemaliger Schüler des Domgymnasiums, der hier auch weiter unten erwähnt wird.Vom 3. Juli 1944 (!) ist per Unterschrift bezeugt, dass Heinrich Himmler (Reichsführer der SS) sich in das “Goldene Buch” eintrug.

Das Forschungsinteresse gilt den Fragen des konkreten Erlebens von Nationalsozialismus am Domgymnasium, der Frage nach "Tätern", „Opfern“ und denjenigen, die eventuell sich widersetzten.Es geht um eine Selbstbefragung der eigenen aber auch "gesamtdeutschen" Geschichte von 1939-45 in ihren Disparitäten.

Die vorliegende Materialsammlung ist noch nicht abgeschlossen - weitere Arbeitsschwerpunkte werden benannt werden.Neben einer gedruckten Materialsammlung soll im Fortgang eine interaktive DVD entstehen, die auch Ton-, Bild- und vor allem Filmmaterial beinhalten wird.Die beigefügten Dokumente sind Quellen, die im Unterrichtsprozess verwendet werden können und sind unter diesem Aspekt ausgewählt.Die Datensätze ließen aber eine fachwissenschaftliche und journalistische Weiterarbeit nicht nur zu, sondern rufen gerade dazu auf.Die Mühen der Sichtung bisher unbekannten Materials lohnte sich !

Wir lesen einen Brief eines Sportreferendars, der sich über die Enge der Turnhalle beim Schulleiter beschwert, weil er die sog. „3. Turnstunde“ so nicht unterrichten könne. Wir lesen Protokolle der mündlichen Abiturprüfung – auch im Fach Rassekunde. Wir lesen die Beileidsschreiben des Rektors an die Eltern, wenn ihre Söhne im Krieg starben... Wir lesen, dass angeordnet wurde, dass am 31.10.... kein Gottesdienst stattfinden dürfe – etwas später aber der Superintendent doch zum planmäßigen Gottesdienst einlädt...
Wir finden Skuriles und Gefährliches ...
Nationalsozialismus hat es eben auch hier, bei uns, gegeben...
Dies aufzuarbeiten ist das Ziel einer Arbeitsgemeinschaft, die in anderer Form im laufenden Schuljahr fortgesetzt werden wird.

In zwei Beiträgen zur Geschichte Merseburgs und deren Schulen von 1933 bis 1945 finden sich zum einen sogar gar keine Aussagen - im zweiten Falle gibt es immerhin 8 Ereignisse.
Da stellen sich Fragen...auch nach dem Interesse an diesem Thema…

Die vorliegende Dokumentation kann auf Grund der nicht vollständigen Aktenlage kein in sich geschlossenes Bild der Geschichte des Domgymnasiums von 1933 bis 1945 darstellen; weist aber auch auf mögliche Forschungsthemen hin wie z.B. die Biographie des Schulleiters Rudolph oder besonders interessant Ernst Harnack (Ritterkreuzträger aus der Familie, aus der auch der Widerstandskämpfer Arvid Harnack stammt) und die Biographie einer Studienrätin Israel.

Die vorliegende Dokumentation zeigt auch den Stand der methodischen Fähigkeiten, was die Methode Oral History ebenso betrifft wie die Fähigkeiten, aus Archivbeständen zu zitieren, und wird also nicht konsequent wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.